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Wildbiologie: Ich bin dann mal weg - Tarnung im Tierreich

Tarnung ist im Tierreich weit verbreitet und erfüllt verschiedene Funktionen: Schutz der Jungen, Schutz vor Räubern und Schutz während eines Beutezugs. Eben weil Tarnen und Täuschen überlebenswichtig sind, bleibt dem Laien oft verborgen, dass sich die Natur im Frühjahr in eine Kinderstube verwandelt. Der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) informiert, was jetzt in Wald und Flur los ist, und warnt vor falsch verstandener Tierliebe.

Einige Raubtiere bleiben aufgrund ihres Tarnmantels meist solange unerkannt, bis es für eine Flucht des Opfers zu spät ist. Berühmtes Beispiel hierfür sind sicherlich Eisbär und Tiger, die mit ihrem Lebensraum geradezu verschmelzen. Doch auch in heimischen Gefilden gibt es einen Räuber, der ganz auf optische Tarnung setzt: das Hermelin. Nicht ganz so gefährlich wie Eisbär Knuts Verwandtschaft, trägt dieses bis zu 30 cm große Wiesel im Frühjahr und Sommer einen braunen Pelz. Im Winter wechselt es dann auf die Farbe Weiß und ist bei Schneelage schwerlich zu entdecken. So ist das Hermelin zu jeder Jahreszeit optimal an seine Umgebung angepasst und bleibt vor seiner potentiellen Beute, kleinen Säugetieren, verborgen. Zusätzlich bietet der Tarnmantel einen guten Schutz, um nicht selbst Opfer von Greifvögeln zu werden.

Der Nachwuchs von Hase und Reh scheint geradezu schutzlos. Völlig allein verharren sie während ihrer ersten Lebenswochen stundenlang im hohen Gras oder im Gebüsch. Aber das ist nur auf den ersten Blick so: In ihren ersten Lebenstagen verströmen weder Rehkitz noch Hasenjunges einen eigenen Körpergeruch.

Da kapituliert selbst der Fuchs mit seiner empfindlichen Nase. Zusätzlich sind die Jungtiere optisch schwer zu entdecken. Dank ihrer Fellfarbe lösen sie sich in der Vegetation regelrecht auf und bei Gefahr drücken sie sich eng an den Boden, um übersehen zu werden. Auf diese Art der Tarnung setzen übrigens auch viele Enten, Kiebitze und Watvögel, die allesamt im Frühling Nachwuchs erwarten.

Ein Tierkind, das allein auf einer Wiese liegt - egal, ob Küken, Hase oder Kitz - ist also meist nicht verlassen. Die Eltern von Hase und Reh kommen allerdings nur zweimal täglich zum Säugen der Jungen. Den Rest des Tages beobachten sie das Versteck ihres Nachwuchses aus sicherer Entfernung. Der DJV rät deshalb dringend davon ab, solche "Findlinge" zu berühren oder mitzunehmen.

Denn wittert die Mutter an ihrem Jungen menschlichen Geruch, nimmt sie es nicht mehr an - das Junge verhungert. Ist man sich unsicher, ob ein Tierkind verwaist ist oder nicht, sollte man einen Jäger informieren: Dieser beobachtet dann die Situation und entscheidet, was zu tun ist. Hunde gehören während der nun anstehenden Brut- und Aufzuchtzeit unbedingt an die Leine, denn Jungtiere sind leichte Beute.

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